Einstellung

Zur Erfassung eines breiten Meinungsbilds wurde über eine Umfrage die Einstellung verschiedener Akteure zu Rotwild, Rotwildmanagement und wichtigen Aspekten einer Rotwildkonzeption erfasst. Die Zielgruppe umfasste Personen im Rotwildgebiet aus den Bereichen Kommunalpolitik, Grundbesitz, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Jagdpacht, Jagdausübung, Naturschutz, Tourismus und Verwaltung. Die Erhebung erfolgt auf dem Postweg über einen Fragebogen.

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Rotwild und Mensch – erste Ergebnisse aus der Umfrage im Nordschwarzwald

Die Umfrage konnte im Dezember 2017 mit Erfolg abgeschlossen werden: 815 der knapp 2.000 verschickten Fragebögen wurden ausgefüllt und zurückgeschickt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 43 Prozent.
Im Januar und Februar 2018 erfolgte eine deskriptive Auswertung der gesammelten Daten. Nun können die ersten Ergebnisse präsentiert werden.

Wir bedanken uns bei allen, die an der Umfrage teilgenommen haben! Sie haben damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer Rotwildkonzeption Nordschwarzwald geleistet.

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n = 815, © FVA

Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Der Fragebogen wurde an verschiedene am Rotwildmanagement beteiligte oder davon betroffene Interessengruppen im Nordschwarzwald verschickt.
Die Umfrage wurde anonym durchgeführt, es war also zu keinem Zeitpunkt ein Rückschluss auf einzelne Personen möglich. Um dennoch eine Auswertung nach bestimmten Interessengruppen zu ermöglichen, wurden die Befragten um Angaben zu ihrer eigenen Rolle und Funktion im Rotwildgebiet gebeten.
Die Tabelle (links) zeigt, wie häufig sich die Befragten dabei selbst verschiedenen Interessengruppen zuordneten. Mehrfaches Ankreuzen war bei dieser Frage erlaubt, da bei einigen Befragten mehrere Antwortkategorien zutreffend waren. Die Prozentzahlen in Spalte drei ergeben sich daher aus dem Anteil derjenigen, die die Antwort angekreuzt haben (z. B. 22 BürgermeisterInnen) in Relation zu allen 815 UmfrageteilnehmerInnen.

Welche Einstellung haben die Befragten zu Rotwild im Allgemeinen?

Im ersten Abschnitt des Fragebogens wurde die Einstellung der Befragten zu Rotwild im Allgemeinen untersucht. Dabei sollten diese angeben, ob sie verschiedene Aussagen ablehnen, diese neutral bewerten oder ihnen zustimmen. Hierbei zeichneten sich eindeutige Ergebnisse ab.
Fast alle Teilnehmenden der Umfrage freuen sich, wenn sie Rotwild sehen und sind der Meinung, Rotwild solle für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Darüber, dass Rotwild wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist, sind sich ebenfalls die meisten einig.

n = 815, © FVA
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Die Mehrheit der Befragten ist außerdem der Rotwildbejagung gegenüber positiv eingestellt und findet, Rotwild solle eher nicht ausschließlich durch natürliche Einflüsse reguliert werden.

Zwei Drittel der Befragten finden, dass Rotwild nicht nur in räumlich begrenzten Rotwildgebieten vorkommen sollte.
Geteilter Meinung sind die Befragten darüber, ob sich die Höhe der Rotwildpopulation vorrangig an den Zielen der Grundeigentümer orientieren sollte und ob Rotwildschäden ein Anlass zur Sorge sind.

Dass es allerdings wirksame Maßnahmen zur Vermeidung von Schäden gibt, bejahen die meisten.

Welche Einstellung haben die Befragten zum Rotwild im Nordschwarzwald?

Ein weiterer, ähnlich aufgebauter Fragenblock widmet sich konkret dem Rotwild im Nordschwarzwald. Hierbei zeigte sich, dass die Anwesenheit von Rotwild im Nordschwarzwald nur fünf Prozent der Befragten nicht bekannt war. Allerdings wusste über die Hälfte der Befragten vor der Umfrage nichts von der Entwicklung einer Rotwildkonzeption für den Nordschwarzwald.
Einig sind sich die Befragten darüber, dass das Vorkommen von Rotwild ihnen persönlich wichtig ist und einen touristischen Mehrwert für die Region bedeutet. Keine eindeutig positive oder negative Mehrheit gibt es dagegen auch in diesem Fragenblock bei der Frage ob Rotwildschäden zu hoch und aktuell eingesetzte Maßnahmen zu deren Vermeidung ausreichend sind. Fast niemand stimmte der Aussage zu, dass es besser wäre, wenn gar kein Rotwild mehr im Nordschwarzwald leben würde.

n = 815, © FVA
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Wie bewerten die Befragten verschiedene Instrumente des Rotwildmanagements?

Der dritte Fragenblock thematisiert verschiedene Instrumente des Rotwildmanagements wie die Entwicklung einer Rotwildkonzeption, Erlebbarmachen von Rotwild, Besucherlenkung, Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung, Waldschutzmaßnahmen und Wildruhezonen. Es wurden fast alle Instrumente von den Befragten mehrheitlich positiv bewertet. Einzig bei der Frage nach der Winterfütterung fiel die Antwort nicht ganz eindeutig aus, obwohl auch hier die Mehrzahl zustimmte. Mehrheitlich abgelehnt wurde dagegen ein Jagdverzicht im Nationalpark. Ob die Rotwildhegegemeinschaften neu organisiert werden sollten konnte knapp die Hälfte der Befragten nicht einschätzen, unter den weiteren Teilnehmenden befürwortete aber der Großteil diese Überlegung.

Fragebogen zu jagdlichen Themen

328 jagdlich aktive Personen erhielten neben dem Fragebogen zu Rotwild und Mensch noch einen zusätzlichen Fragebogen zu verschiedenen Aspekten der Rotwildbejagung. Von diesen zusätzlichen Fragebögen wurden 182 ausgefüllt und gemeinsam mit dem allgemeinen Fragebogen zurückgeschickt.

Zunächst sollten die Befragten verschiedene jagdliche Methoden bewerten und dabei auch angeben, welche der Methoden sie selbst umsetzen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Jagdmethoden unter den jagdlich aktiven Personen auf Zustimmung stößt. Die Nachtjagd wird allerdings mehrheitlich abgelehnt. Sie wird auch am seltensten praktiziert. Am häufigsten als praktizierte Jagdmethoden angegeben werden die Einzeljagd, die Kirrjagd und Gruppenansitze.

n = 182, © FVA
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Im weiteren Verlauf des jagdlichen Fragebogens wurden die Umfrageteilnehmenden zu ihrer Meinung zur Jagdorganisation im Nordschwarzwald befragt. Ob die Arbeit der Rotwildplanungskomission zufriedenstellend ist, ließ sich offenbar nicht ohne Weiteres mit ja oder nein beantworten, die Hälfte der Befragten stimmte hier mit „weder noch“. Bei den Fragen nach der Zufriedenheit mit der Abschussplanung, der Aufteilung der Trophäenabschüsse und dem aktuellen Meldeverfahren streuen die Ergebnisse stärker, wobei ein großer Teil der Befragten mit Abschussplanung und -meldung relativ zufrieden zu sein scheint.

Über die Hälfte der jagdlich aktiven Personen sprach sich jedoch gegen die Einführung eines körperlichen Nachweises aus.

Die Funktionsfähigkeit der Rotwildhegegemeinschaften wurde sehr unterschiedlich bewertet. Mögliche Veränderungen dieser werden unterschiedlich stark befürwortet oder abgelehnt. Eine Rotwildhegegemeinschaft in Form einer freiwilligen Selbstverpflichtung findet tendenziell eher Zustimmung, wobei eine Körperschaft des öffentlichen Rechts eher abgelehnt wird. Darüber, ob dabei weitere Personengruppen einbezogen werdend sollten, sind sich die Befragten nicht einig. Ein- oder zweijährliche Veranstaltungen wie die Rotwildschau sollen laut der Hälfte der Befragten eher nicht noch weiter ausgebaut werden, mögliche Veranstaltungen für die breitere Öffentlichkeit finden hingegen größere Zustimmung.

n = 182, © FVA

Wie geht es jetzt weiter?

Ein erstes Fazit der Umfrage: Rotwild im Nordschwarzwald wird grundsätzlich positiv bewertet. Auch ein Großteil der diskutierten Instrumente des Rotwildmanagements wird von den meisten Akteuren befürwortet. Allerdings sorgen mögliche Schäden durch Rotwild und das Handeln der verschiedenen Interessengruppen für Kontroversen. Besonders bei den Gruppen, die sich von möglichen Maßnahmen besonders betroffen sehen oder Nachteile befürchten, bestehen Bedenken.
Bei der Entwicklung eines zukunftsfähigen Rotwildmanagements für den Nordschwarzwald muss deswegen die Bewertung der Instrumente durch verschiedene Akteure und Gruppen berücksichtigt und deren Umsetzung lokal angepasst werden.

Die Ergebnisse der Umfrage werden daher noch detaillierter analysiert. Das Antwortverhalten der unterschiedlichen Interessengruppen wird dabei näher untersucht und gegenübergestellt und die Antworten werden nach räumlichen Unterschieden aufgeschlüsselt. Dazu werden statistische Berechnungen und Tests durchgeführt, auch um mögliche Zusammenhänge zwischen den Antworten herauszustellen. Weitere in der Umfrage enthaltene Fragenblöcke, zum Beispiel zur Einstellung gegenüber Wildtieren sowie zu verschiedenen Motiven bei der Rotwildbejagung, werden dabei ebenfalls ausgewertet.
Alle Ergebnisse werden auch zukünftig im Newsletter, auf der Homepage und bei kommenden Veranstaltungen im Rahmen der Rotwildkonzeption bekannt gegeben. Zudem werden die gesammelten Daten und Ergebnisse wissenschaftlich weiter bearbeitet und publiziert.
Schließlich werden alle relevanten Ergebnisse auch in den weiteren Planungsphasen des Projekts (Treffen mit Akteuren, Regionale Arbeitsgruppen) eingebracht.