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Sichtweisen

Gemeinsame Sorgen und geteilte Ängste – übereinstimmende Perspektiven?

Um einen Einblick in die Sichtweisen der Akteure im Rotwildgebiet Nordschwarzwald zu erhalten, wurden im Herbst 2016 mit mehr als 40 Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Interessengruppen Interviews geführt. Befragt wurden Akteure aus den Bereichen Forst, Jagd, Gemeindevertretung, Grundbesitz, Naturschutz und Tourismus. Dabei ging es sowohl um den Umgang mit Rotwild als auch um die gegenseitige Wahrnehmung der Akteure. Einige Ergebnisse möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Um die einzelnen Positionen zu verdeutlichen, haben wir anonymisierte Interview-Zitate ausgewählt, die Extrempositionen abbilden und deswegen die wichtigsten Konflikte sehr deutlich veranschaulichen. Ganz wichtig: Nicht alle Befragten haben sich auf diese Weise geäußert, und nicht überall treten solche Konflikte auf.  Die Textzitate können nicht verallgemeinert werden. Um die wichtigsten Probleme aufzeigen zu können, haben wir hier bewusst polarisierende Zitate verwendet.

Interviewzitate zeigen: Die Stimmung im Nordschwarzwald ist in Bezug auf das Rotwild angespannt (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken).

Warum kommt es zu Uneinigkeiten?

An den Interviewzitaten in den Sprechblasen (Bild oben) ist unschwer zu erkennen, dass die Stimmung – wenn es ums Rotwild geht – mancherorts angespannt ist.  Aber warum ist das eigentlich so?
Die Interviews konnten dazu beitragen, darauf eine Antwort zu finden, denn bei der Auswertung erschlossen sich auch Zusammenhänge, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich waren.

Vordergründig scheint es zunächst um gegensätzliche Zielvorstellungen und Problemwahrnehmungen unterschiedlicher Interessengruppen zu gehen. Wo zum Beispiel die eine den Rotwildbestand als zu hoch einschätzt und Schäden befürchtet, sieht der andere noch gar keine Probleme oder sorgt sich sogar um zu niedrige Rotwildbestände.
Zielvorstellungen und Problemwahrnehmungen sind aber nicht die einzigen Faktoren, die zu Konflikten führen. Dahinter verbirgt sich manchmal noch ein dritter Grund, der fast automatisch hinzukommt, wenn sich Menschen uneins sind: die zwischenmenschliche Komponente. Oft unterstellen sich die Interessengruppen gegenseitig – häufig unbewusst – bestimmte Rollen oder Absichten. Die obigen Zitate in den Sprechblasen sind Beispiele dafür. „Förster sind Schlächter“, „Jäger sind trophäenbesessen“, „die Gemeindevertreter sind ein Fähnlein im Wind ihrer Wählerstimmen“ und „Privatwaldbesitzer haben eh keine Ahnung und wenn, dann will sie keiner hören“.
So oder so ähnlich können sich diese unterstellten Rollen und Absichten anhören. Und so etwas hört natürlich keiner gern. Die gemeinten Akteure fühlen sich daraufhin persönlich angegriffen oder kritisiert. Sie haben das Gefühl nicht ernst genommen oder nicht berücksichtigt zu werden. Dadurch, dass bei solchen Vorbehalten häufig verallgemeinert wird, fühlen sich viele über einen Kamm geschoren und zu Unrecht verurteilt.
Die betroffenen Akteure beginnen dann, sich gegen diese zugewiesenen Rollen zu verteidigen. Das lässt sich an weiteren Zitaten aus den Interviews verdeutlichen:

Interviewzitate zeigen, wie sich Akteure gegen Positionierungen wehren (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken).

In den Sozialwissenschaften spricht man bei solchen Effekten von „Frames“ oder von „Positionierungen“: Akteure eines Konflikts weisen sich selbst und anderen bestimmte Rollen zu und wehren sich gleichzeitig gegen zugewiesene Rollen.

Zahlreiche Studien zu Mensch-Wildtier-Konflikten zeigen, dass dies in Debatten immer wieder für neuen Zündstoff sorgen kann. Manchmal gerät dadurch sogar das eigentliche Thema aus dem Fokus und eine Lösungsfindung wird erschwert. Es ist dann wichtig, sich dieser Effekte bewusst zu werden, um zu einer konstruktiven Lösung zurückzufinden.

Nicht überall herrscht Uneinigkeit

Im Nordschwarzwald ist es an vielen Stellen bereits gelungen, zu einer konstruktiven Lösungsfindung zu gelangen.
An anderen Stellen war gar keine Konfliktlösung nötig. Denn natürlich herrscht nicht überall Uneinigkeit, oft funktioniert der zwischenmenschliche Umgang reibungslos. Auch das kann durch zahlreiche Zitate aus den Interviews belegt werden (siehe Bild rechts).

Ein Befragter aus dem Bereich Forst beschreibt die Situation im Nordschwarzwald wie folgt:

Ganz vorweg würde ich sagen, dass es diesen Krieg oder diese Uneinigkeit zwischen den Beteiligten […] bei uns schlichtweg so nicht gibt. […] das hör ich so ein bisschen bei der Konzeption auch, dass man doch diese Gegensätze da irgendwie vereinen muss. Klar sind das zum Teil Gegensätze und unterschiedliche Interessenlagen, aber das was es bei uns […] nicht gibt ist Anfeindung, Krieg, persönliche Beleidigung oder sowas.“

Interviewzitate zeigen: Nicht überall herrscht Uneinigkeit (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken).

Er fügt noch hinzu, dass das an anderen Orten punktuell anders sein kann. Es ist ihm jedoch wichtig, dass Konflikte nicht übertrieben dargestellt werden.
Zusammenfassend kann daher gesagt werden: Die Einstellung der Befragten gegenüber anderen Interessengruppen ist vielerorts bereits konstruktiv und positiv, an anderen Stellen müssen noch Lösungen gefunden werden.

Weitere Ergebnisse der Interviews

Ganz anders sieht es bei der allgemeinen Einstellung gegenüber Rotwild aus. Diese war nämlich fast ausschließlich positiv.  Die Befragten lobten die Faszination und Schönheit der Tierart und zeigten Interesse an Verhalten und Biologie. Fast alle Befragten sind stolz, Rotwild im Nordschwarzwald zu haben und möchten das auch so beibehalten.
Dennoch wiesen die Befragten natürlich auch auf die Schadwirkung des Rotwilds hin und äußerten zudem jagdliche und touristische Interessen.
Es besteht außerdem keine Einigkeit darüber, ob der Rotwildbestand zu hoch oder zu niedrig ist und ob sich die Wildschäden noch in einem akzeptablen Rahmen bewegen. Die Höhe der Störung des Wildes durch Jagd und Tourismus wird ebenfalls unterschiedlich bewertet. Und natürlich werden nicht immer dieselben Managementinstrumente befürwortet.

Die unterschiedlichen Zielvorstellungen und Problemwahrnehmungen können also nicht wegdiskutiert werden. „Es wird schwer, alle Interessen unter einen Hut zu bringen“. So lautete der Tenor der Interviews.

Fazit: Schwer ja, aber nicht unmöglich. Das zeigt die erste Planungsregion, die im Rahmen der Rotwildkonzeption Nordschwarzwald bereits entstanden ist. Hier ist es schon gelungen, sich trotz verschiedener Vorstellungen auf ein Flächenkonzept zu einigen und Kompromisse zu finden. Aktuell beginnen Abstimmungen für zwei weitere Planungsregionen, in denen ebenfalls eine Vielzahl an Akteuren Interesse an einer Zusammenarbeit geäußert haben.
In den Interviews gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass eine solche Einigung auch in anderen Regionen stattfinden kann.