Freitag, 10. Februar 2017

Masterarbeit zur Raumnutzung von Rotwild in den beiden Rotwildgebieten des Schwarzwaldes

Im Rahmen einer Masterarbeit an der Universität Freiburg untersuchte Franz Johann im Jahr 2016 die Raumnutzung von Rotwild in den beiden Rotwildgebieten des Schwarzwaldes (Die vollständige Arbeit zum Download finden Sie am Ende des Artikels). Ziel der Arbeit war es vor allem herauszufinden, welche natürlichen oder von Menschen geschaffenen Umweltfaktoren die Wahl des Aufenthaltsorts von Rotwild am besten erklärt und wie groß der Einfluss der berücksichtigten Variablen im Vergleich zueinander ist.

Untersucht wurden dabei Effekte von Eigenschaften

  • des Geländereliefs (Höhe ü. NN., Hangneigung, Hangausrichtung, Sonneneinstrahlung),
  • der Vegetation (Grünland oder Wald, vorherrschende Baumart, Anzahl unterschiedlicher Baumarten, Alter des Waldbestandes, Entfernung zu jungem Nadelwald, Entfernung zu Tannenbeständen, Entfernung zu Grünland oder Wildwiesen, Entfernung zu Waldrändern unterschiedlicher Prägung),
  • von Freizeit- und Siedlungsinfrastruktur (Entfernung zu Siedlungen, Entfernung zu Straßen, Entfernung zu Wegen, Entfernung zu Wanderwegen, Entfernung zu Erholungswald, Entfernung zu Fahrrad- oder Wintersportstrecken),
  • der Waldbesitzart und
  • von Jagd und Hege (Jagdbezirk, Jagdbezirksart, Entfernung zur nächsten Winterfütterung).
Deckblatt der Masterarbeit

Um den Einfluss dieser Variablen auf die Raumnutzung des Rothirsches besser zu verstehen wurde Rotwildlosung als Zeichen der ehemaligen Anwesenheit von Rotwild an einem Ort genutzt. Es wurden über 100.000 Lagebeschreibungen von Rotwildlosung ausgewertet. Die Losungssuche und Ortsbestimmung der Losung wurden im Rahmen von drei mehrtägigen Losungssammlungen der FVA mit jeweils ca. 20 Mitarbeitern mittels GPS durchgeführt. Die Losungssammlungen fanden 2014 und 2016 auf unterschiedlichen Flächen im Rotwildgebiet Nordschwarzwald sowie im Jahr 2016 im Rotwildgebiet Südschwarzwald statt (Abbildung 1).

Suchquadrate (rot) und zurückgelegte Suchstrecken der Sammler (blau) bei der Losungssammlung Im Rotwildgebiet Nordschwarzwald 2016
Abbildung 1: Suchquadrate (rot) und zurückgelegte Suchstrecken der Sammler (blau) bei der Losungssammlung Im Rotwildgebiet Nordschwarzwald 2016. © F. Johann
Rangfolge der Variablen nach ihrer Bedeutung (Devianzreduktion) in den Modellen (Generalized Linear Mixed Models) für die Gebiete im Rotwildgebiet Nordschwarzwald
Abbildung 2: Rangfolge der Variablen nach ihrer Bedeutung (Devianzreduktion) in den Modellen (Generalized Linear Mixed Models) für die Gebiete im Rotwildgebiet Nordschwarzwald. © F. Johann

Zur Auswertung wurden die Werte der einzelnen Variablen an den Orten der Losungsnachweise schrittweise, zusammen mit zu vergleichenden Werten der Variablen an zufällig erstellten Orten entlang der Suchstrecken, in statistische Modelle einbezogen. So konnte berechnet werten, wie groß der Beitrag einer Variablen zur Erklärung von Losungsvorkommen ist. Darüber hinaus wurde mittels eines optimierten Modells bestimmt, wie sich die relative Häufigkeit von Rotwildlosung in Abhängigkeit von Werten der Variablen verändert.

Für die Untersuchungsgebiete im Rotwildgebiet Nordschwarzwald zeigt sich ein herausragender Einfluss der Variable „Entfernung zum nächsten Weg“ auf die Verteilung der Losungsvorkommen und damit auf die Raumnutzung des Rotwildes. Den zweitgrößten Beitrag zur Erklärung der Losungsvorkommen bringt die Variable „Bestandesalter“, den drittgrößten die „Entfernung zu jungen Nadelwaldbeständen“. Alle anderen Variablen haben deutlich weniger Einfluss (Abbildung 2).

Das Vorkommen von Rotwildlosung ist nah bei Wegen unwahrscheinlich. Mit zunehmender Entfernung bis zu einer horizontal gemessenen Entfernung von ca. 100 m vom nächsten Weg nimmt die Wahrscheinlichkeit von Rotwildlosung zu (Abbildung 3). Junge Waldbestände haben eine höhere Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Rotwildlosung als ältere, jedoch steigt die Wahrscheinlichkeit wieder bei sehr alten Beständen (Abbildung 4). Nahe bei jungen Nadelwaldbeständen kommt Rotwildlosung wahrscheinlicher vor als bei weiterer Entfernung (Abbildung 5).

Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit von der Entfernung zum nächsten Weg
Abbildung 3: Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit von der Entfernung zum nächsten Weg. © F. Johann
Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit vom Bestandesalter
Abbildung 4: Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit vom Bestandesalter. © F. Johann

Die Ergebnisse der Datenauswertung legen nahe, dass die von Wegen ausgehenden Störeffekte deutlichen Einfluss auf die Raumnutzung von Rotwild haben. Demzufolge können Ruhezonen, Besucherlenkung und angepasste Wegekonzepte positive Auswirkungen auf die Habitatqualität haben und vorher gemiedene Flächen für das Rotwild nutzbar machen. Bemerkenswert ist auch die hohe Wegedichte in den Untersuchungsgebieten. Kein Datenpunkt war weiter als ca. 220 m von einem Weg entfernt.

Junge Nadelwaldbestände bieten dem Rotwild bei Störung Deckung. Die Verminderung der von Wegen ausgehenden Störungen kann dazu beitragen den Einstand von Rotwild in jungen Nadelwaldbeständen dort zu reduzieren, wo Rotwild wegen waldbaulicher Ziele unerwünscht ist. Andererseits kann die Schaffung junger Nadelwaldbestände dem Rotwild dort Rückzugsmöglichkeiten bereitstellen, wo Rotwild erwünscht ist und Störungen unvermeidlich sind.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Franz Johann. Alle Rechte an Text und Bild liegen bei Franz Johann.

Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit von der Entfernung zu jungem Nadelwald
Abbildung 5: Relative Wahrscheinlichkeit (RSF-Wert) des Vorkommens von Rotwildlosung in Abhängigkeit von der Entfernung zu jungem Nadelwald. © F. Johann

Masterarbeit zum Download