Mittwoch, 22. März 2017

Bericht vom 2. Rotwildforum am 10.03.2017 in Forbach

„Rotwild ist lenkbar. Waldbau schafft Tragfähigkeit. Jagd unterstützt die Schälevorbeugung“. Dieses Fazit zog Rotwildexperte Dr. Friedrich Völk von den Österreichischen Bundesforsten in seinem Vortrag auf dem Rotwildforum in Forbach.

Um sich die Vorträge der beiden eingeladenen Experten Dr. Friedrich Völk (ÖBF) und Peter Hamers (ThüringenForst) anzuhören kamen am 10.03.2017 mehr als 150 Gäste in die Murghalle in Forbach.

Prof. Dr. Ulrich Schraml, Leiter der Abteilung „Wald und Gesellschaft“ der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Bernhard Panknin vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) sowie Horst Fritz, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Forbach, begrüßten die Zuschauer zu Beginn der Veranstaltung.

Anschließend präsentierte Dr. Friedrich Völk seine Forschungsergebnisse zur Vermeidung von Wildschäden durch waldbauliche Maßnahmen. In seinen Studien konnte Dr. Völk zeigen, dass im Ostalpenraum der wichtigste Einflussfaktor auf die Schälaktivität des Rotwilds der Waldaufbau ist. Das Vorhandensein von Nahrung und Deckung ist für die Vorbeugung von Schälschäden wichtiger, als zum Beispiel die Rotwilddichte und die Überwinterungspraxis.  Denn findet Rotwild ausreichend Äsung im Wald, wird keine Rinde als Nahrungsgrundlage genutzt.

Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass sich Rotwild durch das Angebot von Nahrung und Deckung leicht steuern lässt. „Außerdem geht Sicherheit beim Rotwild vor Nahrungsluxus“ erklärte Dr. Völk, deshalb lasse sich das Rotwild auch durch jagdliche Maßnahmen gut lenken. Denn Rotwild ist laut Dr. Völk eine sehr lernfähige Wildart. Es weiß genau, wo es Äsung und Schutz findet, aber auch, wo Gefahren lauern, zum Beispiel in Form von Hochsitzen. Diese Lernfähigkeit können sich also alle, die jagdliche oder forstliche Interessen verfolgen, zu Nutzen machen. Sie kann aber auch zu einem „jagdlich-forstlichen Problem“ werden – nämlich dann, wenn Rotwild durch zunehmende jagdliche und touristische Störung nachtaktiv wird und sich kaum noch aus der Dickung wagt. Wenn dann die Deckung und das Nahrungsangebot im Wald hoch sind, sich das Rotwild also auch im Waldbestand gut ernähren kann, wird eine jagdliche Regulierung des Rotwilds immer schwieriger. Eine zielorientierte Lenkung des Rotwilds, zum Beispiel durch das Angebot von Ruhezonen und Äsung sowie durch eine angepasste Jagddruckverteilung, ist also wesentlich, um die Schälschäden gering zu halten, so Dr. Völk.

Wie genau eine solche Bejagung in der Praxis aussehen kann erklärte Peter Hamers, Leiter des Thüringer Forstamts Neuhaus, im zweiten Vortrag. Normalerweise beginnt in Thüringen die Jagdzeit auf Rotwild im Juni und endet Mitte Januar. Bei ThüringenForst ist die Jagdzeit dagegen stark eingegrenzt. Auch das Forstamt Neuhaus betreibt auf seinen rund 18.300 Hektar Jagdfläche eine innovative und sehr effiziente Art der Intervalljagd. Hier wird lediglich im Mai, zur Feistzeit, und von Anfang August bis einschließlich Dezember gejagt. Dies gilt nicht nur für Rotwild, sondern für alle Wildarten.

Während dieser Zeit finden zwei Ansitzintervalle mit je vier Ansitzen statt, eines im Mai und eines im September und Oktober. Zusätzlich wird im Oktober oder November eine Bewegungsjagd abgehalten. Auf diese Weise soll der Jagddruck auf Rotwild reduziert und zugleich in der kurzen Jagdzeit möglichst viel Rotwild erlegt werden.Gejagt wird in Gruppen bestehend aus 15 bis 30 zahlenden Gästen, die zuvor genau eingewiesen werden und dann gleichzeitig auf die Jagd gehen. Freigegeben ist der jährliche Zuwachs an Rotwild, weibliche Altersklassen aller vorkommenden Schalenwildarten und männliches Schwarz-, Reh- und Rotwild. In der Freigabe enthalten sind je ein Rothirsch der Altersklasse IIb und I. Allerdings kann diese begrenzte Anzahl von Hirschen durch Vorleistung durch den einzelnen Schützen erweitert werden.

Bisher ist das neue Bejagungskonzept von Thüringen Forst laut Hamers ein voller Erfolg. Durch die lange Jagdruhe verliert das Rotwild seine Scheu und ist während der Jagdzeiten deutlich besser zu bejagen. „Das Ansprechen ist zum Teil sogar in Naturverjüngungs­beständen möglich“, so Hamers. Zudem können sich die Jagenden durch die gründliche Einweisung und die einfache und großzügige Jagdfreigabe besser auf die Jagd konzentrieren, da sie „nicht vorher immer erst überlegen müssen, was sie schießen dürfen und was nicht“. Außerdem hätten die Jagdgäste Zeit und nähmen stets alle vier Ansitze wahr, sodass „sogar im letzten Ansitz noch Strecke kommt“, erklärt Hamers. Die Anzahl der Schälschäden ist seit Einführung der Intervalljagden deutlich zurückgegangen. Ein weiterer Vorteil des neuen Bejagungssystems sind die höheren Einnahmen des Forstamts, die durch die Jagdabgabe der beteiligten externen Jäger gemacht werden.

Im Anschluss an die beiden Vorträge folgte eine interessante Diskussion, bei der sich die Zuschauer über die neu gewonnenen Erkenntnisse und ihre Bedeutung für das Rotwildgebiet Nordschwarzwald austauschten.

Das nächste Rotwildforum wird Anfang 2018 stattfinden. Termin, Ort und Thema werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Die Kurzfassungen der beiden Vorträge finden Sie am Ende des Artikels und in unserem Download-Bereich der Homepage.

Sollten Sie keine Gelegenheit gehabt haben, das Rotwildforum zu besuchen, können Sie sich hier einen Videomitschnitt der Vorträge ansehen: